Teil 1: Seit über 40 Jahren kenne ich nun den Bertholdsaal. Zum Anfang meiner Praxiszeit als Tierarzt hier im Ort, habe ich dort in der damaligen Tischlerei noch meine Ordinationsmöbel selber zusammengeschraubt. Als sich dann später eine junge aufkeimende Kulturszene etablierte, war bald klar, dass sich da die Dinge in die richtige Richtung bewegten. Großes Engagement und viel Organisationstalent führten zu unzähligen Veranstaltungen, die auf freiwilliger Basis und dennoch höchst professionell abgewickelt wurden . Etliche Konzerte und schräge Theateraufführungen sind mir in wunderbarer Erinnerung. Zahllose Seewiesenfeste führten zu einem Bekanntheitsgrad im Lande, auf den unsere Region stolz sein kann. Mit viel Sachkenntnis und gutem Instinkt wurden Künstler in die Gegend gebracht, die später auch auf breiter Ebene bekannt wurden. Und das alles über viele, viele Jahre hinweg – das verdient Respekt.

Teil 2: Der Bertholdsaal wird verkauft!!- heißt es dann vor ein paar Wochen aus üblicherweise gut informierter Quelle. Wie jetzt??, war meine Frage – und was geschieht mit ihm? – und was geschieht mit Frikulum? – was mit dem Seewiesenfest? – was mit dem Raum für unzählige gelungene Auftritte? – mit dem Begegnungsraum und dem Raum für eigene Gedanken? – dem Probenraum für junge Bands? – dem Bindeglied zur kulturellen Außenwelt? – mit dem Bertholdsaal als Freiraum schlechthin? Was hat man vor? Alles aufgeben? – die Historie des Bertholdsaales nur noch in Erzählungen bewahren? – die Zukunft anderen überlassen? Das wäre jedenfalls keine gute Idee für Weyer – keine gute Idee für das Ennstal und für die Kulturszene schlechthin. Viele werden das wohl ähnlich sehen. Es wäre doch allzu schade, die Heimbasis für viele zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich, der Schubraupe zu opfern. Da gefällt mir der Plan vom Erhalten und Gestalten schon viel, viel besser. In diesem Sinne.
Save the Place – Kaufen statt Abreißen. Support.

Dr. Rudolf Grogger
Weyer/OÖ