Meine Jugend, meine Pubertät, mein Sturm-und-Drang, das alles fand in einer Zeit statt, in der es den Bertholdsaal, in der Form wie wir ihn heute kennen, nicht gab. Es gab eigentlich in der ganzen Region rund um Weyer NICHTS, was dem Begriff „abseits von Mainstream“ auch nur in irgendeiner Weise nahe kam. Von einem öffentlich zugänglichen Ort für solche Veranstaltungen, ganz zu schweigen. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass die damals in Weyer vorherrschende Jugendkultur, Übelkeit bei mir auslöste und ich fragte mich permanent ob das wirklich ALLES sein soll?! Um diesem kulturellen Vakuum zu entkommen, gab es damals nur 2 Möglichkeiten: entweder sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken, (ja, das sogenannte „Koma-Saufen“ gab es auch damals schon – das ist keine Erfindung der heutigen Jugend), oder die zweite Möglichkeit – nach Linz und Wien zu fahren, um dort angesagte „Underground-Konzerte“ zu besuchen. Ab dem Zeitpunkt, wo unsere Mobilität ausreichend hoch war, entschieden wir uns immer öfter für die zweite Möglichkeit. Der Wunsch, solche Konzerte auch in unserer Heimat-Region besuchen zu können war aber sehr gross, und so begannen wir langsam aber stetig, (mit Frikulum) schräge Konzerte in Pfarrsälen, Wirtshäusern, alten Mühlen oder auf Seewiesen zu veranstalten. Als sich schliesslich, vor ca. 20 Jahren, der Bertholdsaal als fixer Veranstaltungsort anbot, eröffnete das ganz neue Möglichkeiten…wir waren nicht mehr auf Ein-Abend-Veranstaltungen beschränkt, sondern verbrachten von nun an ganze Sommer im Bertholdsaal um z.B. für Theaterproduktionen zu proben, oder machten Film-Nächte, Ausstellungen und Workshops. Wir waren auf, hinter und vor der Bühne und wir waren stolz. Stolz darauf ein hochwertiges Programm zu bieten und stolz darauf den nachkommenden Generationen, bessere Infrastrukturen für eine Jugendkultur die abseits von Ö3-Disco und Landjugend „sein darf“, zu hinterlassen als wir sie vorfanden. Mit dem Abriss des Bertholdsaals würde nun ein grosser Pfeiler dieser Arbeit verlorengehen, und ganz ohne Beschönigung herausgesagt: Es würde die Region Weyer wieder ein Stück trostloser machen.

Martin Kerschbaumsteiner aka Poit
Video-Editor im RedBull MediaHouse und Künstler
aus Kleinreifling, in Linz lebend