In meiner frühen Jugend gab es für uns direkt in der Region wenig Kulturangebot, vor allem gab es keine echten musikalischen Alternativen zu bestehenden Dorf-Diskotheken. Wer das gesucht hat, musste in die nächste Stadt ausweichen. Für uns war das einfach so. Als dann im Bertholdsaal die ersten Konzerte veranstaltet wurden war dieser Grundsatz pasé. Die Leute kamen plötzlich sogar aus der Stadt zu uns aufs Land. Und wir blieben wieder viel mehr hier in der Region. Der Bertholdsaal hat viel verändert, wir profitierten nicht nur vom vielfältigen Angebot, die Jugend konnte sich auch aktiv einbringen und mitgestalten. In den letzten 20 Jahren gab es viele erinnerungswürdige Konzerte im Bertholdsaal, ich komme auch heute noch immer wieder wegen der Einen oder Anderen Veranstaltungen von Wien nach Weyer. Und nicht nur deshalb. Es ist ein Ort, um alte Freunde und Bekannte zu treffen, und ich freue mich jedesmal, dass es so viele engagierte Freiwillige in der Region gibt, die diese Veranstaltungen möglich machen. Wie alle anderen hier habe auch ich überlegt, was man in diesem Plädoyer für den Bertholdsaal sagen soll. Weil es eigentlich viel mehr ist als eine Unterstützungserklärung. Hermann Hesse sagt: „Das Glück ist ein Wie, kein Was; ein Talent, kein Objekt.“ Trotzdem oder gerade deshalb braucht es Objekte, Räume, Orte um Talente zu fördern, Kultur zu erleben, Kreativität zu entfalten. Daher auch mein Aufruf an alle verantwortlichen Stellen, diese Orte zu schaffen, zu fördern, und jedenfalls – als geringste aller Möglichkeiten – diese Orte nicht zu vernichten. Ich hatte Glück, dass es den Bertholdsaal damals gab, und wünsche das auch noch vielen Anderen.

Silvia Salcher
Marketingleitung Mautner Markhof
Aufgewachsen in Großraming, lebt und arbeitet in Wien